Montag, 5. Januar 2009

My tiny steps through the eternal city

Tatsächlich. Schon habe ich die Hälfte meiner italienischen Zeit absolviert und nur noch drei weitere kurze Monate in dieser wunderschönen Stadt liegen vor mir. Der Jahreswechsel, der genau in dieser Mitte lag, machte mir diese Tatsache nur umso bewusster und verursachte in mir gemischte Gefühle. "Wir stoßen an auf dein erstes italienisches Silvester von den vielen Silvestern, die du in Italien verbringen wirst!" So begrüßte mich meine Freundin Francesca im neuen Jahr, was mir schlicht das Herz erwärmte. Ich könne unmöglich im März wieder nach Deutschland zurück gehen, stellt sie immer wieder fest, denn wenn ich Rom nicht im Frühling und im Sommer gesehen hätte, hätte ich die ewige Stadt nur halb gesehen! Was für ein Gedanke. Einfach hier bleiben und Italien zu meiner neuen Heimat werden lassen. Nein, Rom und die lieben Menschen, die ich hier getroffen habe, werden mir den unvermeidlichen (zumindest vorläufigen) Abschied nicht leicht machen. Es ist wunderbar hier.

It's a fact. Half of my time in Rome has passed and only three more short months in this wonderful city lie ahead of me. The turn of the year, which coincided with this point of my stay in Rome, made me only more aware of this fact as I already have been, and has stirred up mixed feelings in me. "Let us drink to you first New Year's Eve of the many you will spend in Italy!" This is how my friend Francesca welcomed me in 2009, what simply rejoiced my heart. "You just cannot go back to Germany after march", is what she often declares, "because if you haven't seen Rome in spring and summer, you haven't seen Rome at all!" What a thought. Simply stay here and make Italy my new home. Indeed, the eternal city and the lovely people I met here won't let me go easily.

Es gibt in der Tat nur einen Grund, eine italienische Besonderheit, die mich oft mit Wehmut an die deutsche Heimat denken lässt und die ich eigentlich in diesen Berichten außen vor lassen wollte. Doch die Häufung der Ereignisse macht es mir einfach unmöglich diese Wirklichkeit, die ich täglich erlebe, unbeachtet zu lassen. Die Kehrseite am Leben in Italien wird nämlich zum Großteil von der italienischen Männerwelt verursacht. Nein, hier gibt es leider in erster Linie nicht schöne, charmante und gutgekleidete Gentlemen, sondern vielmehr kleine, aufdringliche und schlechtfrisierte Machos, die anscheinend der simpelsten zwischengeschlechtlichen Kommunikation unfähig sind. Wir kennen ja alle den Vorwand der Männer für deren Unverständlichkeit des weiblichen Geschlechtes, ein "nein" aus unserem Mund bedeute eigentlich "ja" und umgekehrt. Italiener nehmen sich dieses Prinzip nun also mehr als folgsam zu Herzen und verstehen nicht nur ein einfaches "nein" als "ja", sondern auch ein "Nein, ich habe einen Freund, dem ich niemals fremdgehen würde" oder ein "Nein, ich treffe mich nicht mit verheirateten Männern" oder auch ein "Ich habe jetzt schon mehrere Male gesagt, dass ich es nicht leiden kann, wenn du mich dauernd unaufgefordert anfasst, verstanden?! Nein!". Es ist genauso frustrierend wie es für die umstehenden Zuschauer immer wieder amüsant ist. Ich will damit keinesfalls bestreiten, dass nicht auch sympathische Italiener männlichen Geschlechtes hier zu finden sind, aber leider trifft man häufig genug eben auf die andere Art Mann, die einem die Extreme der eigenen Frustration und Wut offenbaren können.



Truth be told, there is only one reason, one italian particularity, that makes me often think with wistfulness about my home country. In fact, I wanted to skip this topic in these my statements, but as the events accumulate I cannot ignore this part of my everyday life anymore and have to make it heard by all of the deluded female population out there. The downside of life in Italy is first and foremost represented by italian men. No, unfortunately there are no gorgeous, charming and well-dressed gentlemen everywhere, but rather short, sleazy and badly-coiffured machos, who are obviously incapable of the simplest of inter-gender communication. Yes, we all know the pretense of all mankind for their lack of understanding the opposite sex, that a "no" leaving our lips actually wants to say "yes" and vice versa. Now italians keep to this principle with heart and soul and not only take a simple "no" as a "yes" but also a "No, I have a boyfriend, on whom I would never cheat", or a "No, I don't go out with married men", or even a "I already asked you about ten times to not keep touching me for no apparent reason, got it?! No!". It is really as frustrating as it is often amusing to the nearby spectators. Though I won't argue that there aren't any likable and nice italian men to find here, I can certify through my own daily experience that in most of the cases one will encounter one of the other kind, who are capable of revealing one's own limits of frustration and rage.

Aber genug genörgelt! Italien spart schließlich nicht an gutem Essen, gutem Wein, lebhaften Gesprächen in einer schönen Sprache, prächtigem Ambiente und einer angenehmen Wintersonne, um dieses eine Manko aufzuwiegen. Mir jedenfalls fällt es nicht schwer bei all diesen Vorzügen darüber hinwegzusehen. Italien wird mir fehlen und ich werde die mir verbleibende Zeit nutzen, um noch so viel davon zu erleben wie möglich.

But enough with the complaining, already! After all, Italy offers good food, good wine, lively conversations in a beautiful language, a gorgeous ambience and a nice winter sun to compensate for this one little flaw. Considering all these merits it is not hard to overlook it. Safe to say that I will miss Italy and Rome and I will use the remaining three months to experience it in (almost) all its particulars as much as possible.

Dienstag, 23. Dezember 2008

Wo steht denn bei Ihnen der Rotkohl? - Does this store also carry german red cabbage?

Wie kommt man am besten in die richtige Weihnachtsstimmung? Das habe ich mich in den letzten Wochen gefragt und versuchte es mit: Geschenke einkaufen in dichtgedrängten Einkaufspassagen, einem Weihnachtskonzert in San Giovanni in Laterano, den Plastik-Weihnachtsbaum schmücken, selbst gemachtem Glühwein und natürlich Bing Crosby. Aber erst heute hatte ich das einzigartig weihnachtliche Erlebnis einen Tag vor Heilig Abend Zutaten für ein "proper christmas dinner" zu besorgen. Das nämlich hat mir der morgige amerikanische Küchenchef aufgetragen; dazu sollte ich noch "some typical german christmas things" beschaffen, was mich im ersten Moment leicht unruhig gemacht hat. Was sind denn typische deutsche Weihnachts-"Sachen"? Mir fiel dann zum Glück der Glühwein ein, der wie ich hoffte dazu eingesetzt werden konnte, vergessen zu machen, dass ich keine anderen kulinarischen Köstlichkeiten aus der Heimat beisteuern konnte. Aus zuverlässiger Quelle erhielt ich dann den Tipp für Apfel-Rotkohl, den ich also auch brav auf meine jetzt schon lange Einkaufsliste schrieb.

How do I get into the christmas spirit? That is what I asked myself during the past few weeks and tried with shopping for christmas presents in the crowded shopping miles of Rome, a christmas concert in San Giovanni in Laterano, decorating the plastic christmas tree, self-made "Glühwein" and of course Bing Crosby. But only now I had the pleasure of making the unique christmas experience of going shopping for "a proper christmas dinner" on the day before Christmas Eve, since this is what tomorrow's chef had instructed me to do. In addition I was supposed to get some "typical german christmas things" as well, what at first struck me with awe. What in heaven's name are typical german christmas things? Fortunately I remembered the hot wine, which I hoped could be used to make the chef de cuisine forget about me not being able to contribute any other german delicacy. Fortunately a reliable source then suggested me red cabbage, which I thus happily added to my already long grocery list.

Frisch und guter Dinge verließ ich dann heute Morgen das Haus, um den nächsten Supermarkt aufzusuchen, der vollgestopft mit kleinen italienischen Mamas war, die mit ihren riesigen Einkaufswägen die Gänge verstopften, während sie mit einem Bündel mir unbekannten Gemüses in der Hand in eine lebhafte Diskussion mit der nächsten Verkäuferin vertieft waren. Die Schlange an der Kasse verlangte dementsprechend viel Geduld; in dieser Wartezeit konnte ich aber schon überlegen, welche Dinge ich nicht gefunden hatte und in welchem Supermarkt ich als nächstes mein Glück versuchen könnte. Dieses Spiel wiederholte sich dann in vier verschiedenen Märkten. Und wahrscheinlich war noch nie jemand so glücklich über ein Glas Rotkohl, den ich endlich im LIDL - ja, die gibt es auch in Italien und sind auf angenehme Weise genauso organisiert wie in Deutschland - fand. Dieser wird also unsere Beilage zum Putenbraten sein, da ich die gewünschte Preiselbeersoße beim besten Willen nirgends finden konnte. Und nachdem ich dann also vier Mal schon mit Einkaufstüten beladen nach Hause kam und ein entspannendes Mittagessen mit meinem Mitbewohner Giacomo genossen hatte, fiel mir brennend heiß ein, dass ich doch noch etwas vergessen hatte! Daraufhin quälte ich mich ein fünftes Mal in Mantel und Stiefel und fand tatsächlich noch etwas, das als laktosefreie Soße für unsere mit Marzipan gefüllten Bratäpfel dienen wird. Zurück in meinem warmen Zimmer beschloss ich, sofort in meinen Pyjama zu steigen und den Rest des Tages mit Kaffee, Keksen und Konversation zu verbringen. Denn nun bleibt nur noch eins zu tun: Auf einen verrückten, Oliven pflückenden, Pasta kochenden und unglaublich lieben Amerikaner zu warten, der morgen von den toskanischen Feldern zurückkehren wird und mit dem ich mein Weihnachten in Rom bestreiten werde, während Bing Crosby uns "Mele Kalikimaka" wünscht.

This morning I left the house in cheerful spirits to get to the nearest supermarket, which was crowded with cute and small italian "mammas", who blocked the corridors with their giant shopping carts while debating over some identifiable vegetable with a salesperson. The line at the checkout counter was consequently long, but while I waited I was at least able to reflect about the next supermarket where I wanted to try my luck with some things I couldn't find in the first one. This spectacle repeated itself in four other stores and probably there was never someone so happy about a jar of pickled red cabbage than me, which I found in a LIDL-market. This purchase will now serve as our side dish to our roasted turkey, as with all the best will in the world I was not able to find the requested cranberries. But after having made my way home four times with a load of shopping bags each time and after having had a nice relaxing lunch with my roommate Giacomo, it occured to me that I forgot something! So I put on my coat and boots one last time and found something that will make a nice and lactose-free sauce for our baked apples. Back in my warm and cozy apartment I decided to immediately put on my snug pajamas and to spend the rest of the day with coffee, cookies and conversation. Because now there is nothing left to do than wait for a crazy, olive plucking, pasta cooking and incredibly sweet American, who will leave his beloved Tuscan fields to spend christmas with me, while Bing Crosby is wishing us "Mele Kalikimaka".

Donnerstag, 11. Dezember 2008

Unter Wasser - Under water

Nein, der Tevere fließt nicht direkt am Kollosseum vorbei. Momentan ist aber die ganze Stadt durchzogen von neuen und unbekannten Gewässern, Bächen und Flüssen. Ein maßloses Unwetter hat sich über ganz Italien festgesetzt und beschert ihrer Hauptstadt Vekehrschaos bis hin zu völlig unpassierbaren Straßen. Mailand versinkt im Schneegestöber, während in anderen Teilen Italiens ganze Stadtteile evakuiert worden sind. Umstände, die mich zwingen im Haus zu bleiben.

No, the Tevere does not flow directly past the Colosseum. But at the moment the whole city is interspersed with new and unknown bodies of water, rivulets and rivers. An exorbitant thunder-storm established itself over Italy and bestows its capital traffic chaos up to absolutely impassable streets. Milan is struggling with snow flurries, while in other parts of the country whole districts have been evacuated. Circumstandes that force me to stay at home.

Und heute ist wohl der ungemütlichste Abend der letzten Tage. Durch meine zugezogenen Vorhänge nehme ich nur ab und zu ein Aufblitzen wahr; der Donner folgt nach längerer Wartezeit und ist noch sehr verhalten. Fast ist der heftige Regen lauter, der unaufhörlich von der Straßenlaterne gegenüber rinnt. Im Fenster, das von dieser Lampe beleuchtet wird, hängt ein nasser Weihnachtsmann. Später in der Nacht werde ich von Blitz und Donner geweckt, der so kreischend laut ist, dass nicht nur ich, sondern auch die Alarmanlagen der Autos in meiner Straße sich fast zu Tode erschrecken.

And tonight is maybe the most uncomfortable evening of the last week. Through my closed curtains I notice some lighting flashes from time to time; the thunder follows after a latency and is still very restrained. The heavy and loud rain runs constantly off the street light across from my house. On the window, which is illuminated by the lamp, there is a wet santa clause attached. Later at night I am woken up by a lightning flash and thunder, which is so shrieking loud, that not only I but also the alarm systems of the cars in my street are frightened to death.

Diese Stadt, mit ihrem ewigen Lärm, mit ihren lauten Nachbarn, mit ihrem chaotischen Straßenverkehr, mit ihren Rollern und Autos. Mit ihrem Streiten, Rufen und Hupen. Mit ihrem Weinen und Lachen. Sie scheint in den letzten Tagen gedämpft zu sein. Nur widerwillig lassen sich die Römer vom Sturm von ihren Straßen drängen und zu Ruhe und Geduld zwingen. An den noch geschäftigen und überdachten Orten kann einen die Reizüberflutung von penetranten Weihnachtsmelodien, blinkenden Lichterketten und bunten Schriftzügen dieses Erlahmen kurzzeitig vergessen lassen. Aber auch wenn das Frohe Fest offensichtlich in greifbarer Nähe ist; die römischen Lebensgeister warten darauf, dass ihre Straßen wieder trocken und warm sind. Und ich warte mit ihnen.

This city, with its eternal noise, with its loud neighbors, with its chaotic traffic, with its scooters and cars. With its bickering, shouting and honking. With its crying and laughing. It seems to be muted in the last days. Only reluctantly the Romans let themselves be shoved off their streets and forced to tranquility and patience. The still busier and roofed over places with their obtrusive christmas music, flashing fairy lights and colourful letterings can make one forget this weariness at least for a short time. But even if the happy holidays are obviously just around the corner; the roman vital spirits are waiting for their streets to be dry and warm again. And I am waiting with them.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Neulich in Zürich - Recently in Zurich

Dada m'dada, Dada mhm' dada, Dada Hue, Dada Tza... Dadadada... Dada! Überall.
Nagut, eigentlich nunmehr nur noch in Zürich im ehemaligen Cabaret Voltaire. Dort wird noch der freie Unfug praktiziert, dort kann man es praktisch spüren, das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirmes auf einem Seziertisch; diesen Hauch von Absurdität und Revolution. Bunt zusammengewürfelt finden sich hier - in der duDabar - die verschiedensten Zeugnisse der Zürcher Dadabewegung. "To be da-da or not DaDa, das isch d'Frag" Und in alter Schweizer Tradition kommen dort freie Geister zusammen, um in einem offenen Gespräch am gemütlichen Kamin, ihre Gedanken mit anderen zu teilen und daraufhin mit diesen in eine fruchtbare Konversation zu treten. Bekanntgegeben wird diese Abendgestaltung aber nur als "hirnblutung. Freistilphilosophie konkret krass."

Dada m'dada, Dada mhm' dada, Dada Hue, Dada Tza... Dadadada... Dada! All over.
Well, actually by now only in Zurich in the former Cabaret Voltaire. That is where nonsense at its best is still being practiced, that is where one can still feel the coincidental meeting of a sewing machine and an umbrella on a dissecting table. This is where one can get this tang of absurdity and revolution. In the duDaBar a potpourri of various types of evidence of the Zurich Dada-movement can be found. "To be da-da or not DaDa, that's the question" And in old Swiss tradition this is where all freethinkers gather to share their thoughts in front of the homely fireplace after which they have a cultivated and fruitful discussion. This item of the daily agenda is simply announced as "cerebral bleeding. freestyle philosophy superawesome."

Darüber kann ich als halbe Römerin ja nur milde lächeln. Freistilphilosophie wird hier an jeder Straßenecke betrieben. Mario, der Hostelbesitzer: "Heterosexuelle Männer müssen eine Wampe haben!" Lautmalerei, die an die Anfänge der menschlichen Sprachfähigkeit erinnern, ist hier Bestandteil jedes gewöhnlichen Gesprächs. Giacomo, mein Mitbewohner: "Wwaaah bääääeee" Neologismen werden hier andauernd benutzt und schamlos naiven Ausländern beigebracht. Nadia, meine Mitbewohnerin: "'Dov'è il mio... ääh.. fristi-frasti?!"

But as a semi-Roman I can only gently smile about this behaviour. Freestyle philosophy is being practiced at every street corner. Mario, the hostel owner: "Heterosexual men are supposed to have a potbelly!" Onomatopoeia, that reminds of the beginning of human faculty of speech, is element of every common conversation. Giacomo, my roommate: "Vvaaaah baaaeee". Neologism are being used permanently and also being tought to naive foreigners: Nadia, my other roommate: "Dov'è il mio... umm... fristi-frasti?!"

Überhaupt scheint mir, dass in Rom jegliche Verrücktheiten für jeden sichtbar zur Schau getragen werden können. So könnte erwähnter Mario ohne Probleme als Tingeltangel-Bob-Double durchgehen, da er seine Haare auf eine Weise wachsen und wildern lässt, die sie in dicken Strähnen vom Kopf abstehen lässt. Selbstgespräche in Bus und Bahn sind keine Seltenheit, genausowenig wie Leute, die zu dieser Jahreszeit barfuss über die römischen Pflastersteine pilgern oder Inder, die einem ungefragt mitten auf der Straße die Zukunft voraussagen. Hier ist also jeden Tag Dada angesagt. Allerdings gibt es hier keine ordentliche programmatische Aufforderung dafür. Nur das bescheidene geflügelte Wort: "When in Rome, do as the Romans do."
Ich werde mein Bestes versuchen. Aber meine Schuhe lasse ich an.

Anyway it seems to me that in Rome it is totally ordinary to parade one's nuttinesses in public. Thus the mentioned hostel owner could smoothly act as a Sideshow Bob double, as he cultivates his hair in a way that makes it stick out from his head in thick streaks. Soliloquies in public transport aren't rare, just as people who walk barefooted over the Roman cobblestones or Indians, who unsolicitedly predict one's future in the middle of the street. In Rome Dada is present everyday. However there is no proper programmatic announcement for it. And I'm being left with nothing but the decent saying "When in Rome, do as the Romans do."
I will try my best. But I'm gonna keep my shoes on.

Montag, 24. November 2008

Ein liebender Mann ist in Rom - A loving man is in Rome

Nervös wippe ich mit dem Fuß, während ich durch die regennasse Scheibe des Busses nur verschwommen rote und weiße Lichtflecken auf den nächtlichen Straßen ausmachen kann. Langanhaltendes Hupen und Sirenengebrüll vervollständigen die Szene, in der ich die Nebenrolle der respektlosen Zuschauerin spiele, die wegen des alltäglich fast stillstehenden römischen Verkehrs zu spät zu einer Lesung erscheint und sich Entschuldigung wispernd durch die engen Reihen des missmutigen Publikums drängen muss.

Nervously I tap my toes, while through the rain-wet window pane of the bus I can only recognize blurry red and white spots of light on the nightly streets. Long-lasting honking and screaming sirens complete the scenery, in which I myself play the supporting role of a disrespectful audience member, that shows up much too late to a reading because of the daily almost stagnant traffic.

Die Hauptrolle gehört heute nämlich Martin Walser, der sich auf den Weg in die ewige Stadt gemacht hat, um hier aus seinem neuesten Roman vorzulesen. Dieser Umweg ist auf den zweiten Blick nicht gänzlich abwegig ist, denn wir befinden uns schließlich in der Stadt, in der Goethe - Walsers Protagonist - mehrere Jahre gelebt und mit Sicherheit auch geliebt hat; genauer gesagt, legt Walser genau in dem Raum seine Brille aufs Lesepult, in dem Goethe selbst des öfteren seinen römischen Freunden vorgelesen hat. Im ehemaligen Atelier Tischbeins versammeln sich also eine gute handvoll Deutsche, um das Eintreffen des bekannten Schriftstellers zu erwarten.

The leading role today is given to Martin Walser, who came all the way to the eternal city to read from his newest novel. This detour is on the second view not that odd, because after all, this is the city, in which Goethe - Walser's protagonist - had lived and loved for several years. To be exact, Walser lays down his glasses on a reading desk in the exact same room, where Goethe himself many a time used to read to his Italian friends. In the former workshop of Tischbein a couple of Germans have gathered to await the arrival of the famous author.

Als dieser nun also nach ausführlicher Einführung und standesgemäßem nicht enden wollendem Beifall hinter das Pult tritt, scheint er zuerst ein wenig geniert und sogar etwas unsicher nach den passenden Worten zu suchen, um den groben Zusammenhang zwischen den zu lesenden Textpassagen zu erklären. Doch als er den Blick auf seinen Text senkt, um eine humorvolle Szene mit Goethe und seiner Geliebten vorzutragen, muss ich feststellen, dass er ein unglaublich mitreißender Vorleser ist (was bei einem guten Schriftsteller keineswegs die Regel darstellt!). Sichtlich genießt er die heitere Stimmung des Publikums und schreckt nicht davor zurück auch die Szene von Goethes nächtlicher Zwiesprache mit seinem "Teil" in derselben temperamentvollen Weise vorzulesen. Die letzte Textstelle, die er auswählt, endet mit einem melancholischen Goethe, der sich desillusioniert die Unerfüllbarkeit seiner Liebe zu der 55 Jahre jüngeren Ulrike eingestehen muss. Und als Walser seine Lesung in dieser Atmosphäre beendet, steigt er hastig vom Rednerpult herunter, während er sich mit einem zerknüllten weißen Stofftaschentuch schnell Schweiß aus dem Gesicht und möglicherweise auch eine kleine Träne aus einem Augenwinkel wischt.

As the awaited one finally steps behind the reading desk after a detailed introduction and then a long applause, he at first seems a little embarassed, searching maybe a little nervously for the right words to explain the rough context between the passages he wants to read. But as he lowers his sight on the book to recite a hilarious scene between Goethe and his beloved Ulrike, I realize that he is an inredible powerful reader. Obviously he enjoys the cheerful mood of the audience and also does not start back from reading the scene of Goethe's nightly dialogue with his "thing" in the same temperant manner. The last passage that he chose to read ends with a melancholic Goethe, who has to acknowledge the fact that his love towards the 55 years younger Ulrike has to remain unfulfilled. And when Walser finishes his reading in this atmosphere he hastily climbs off the reading desk, while he pulls out a crumpled-up white handkerchief with which he weeps off some sweat from his face and maybe a little tear out of a corner of the eye.

Mittwoch, 19. November 2008

Hilfe, mein Schlüsselbein hängt am Kronleuchter! - Help me! My collarbone is attached to a chandelier!

Auch im goldenen Rom beginnt allmählich die kalte Jahreszeit. So sitze ich abends nunmehr mit einer warmen Decke auf meinem Balkon, während ich wie so oft den italienischen Sonnenuntergang bei einem Glas toskanischen Rotwein genieße. An anderen Tagen wünsche ich mir Gummistiefel und Regenoverall, um bei tagelang andauerndem Regenschauer die überfluteten Straßen mindestens annähernd trocken überqueren zu können. Nein, da helfen wirklich auch keine zehn Schirme der zuvorkommenden pakistanischen Straßenhändler nicht, die einem beim kleinsten Regentropfen schon einen Strauß buntes Wasserabweisendes unter die gerümpfte Nase halten.

Even in the golden city of Rome the cold season has begun. That is why now in the evenings I sit on my balcony with a blanket wrapped around me, while I enjoy the Italian sunset with a glass of tuscan red wine as I often do. On other days I wish for plastic boots and a waterproof jumpsuit to be able to cross a street at least almost drily after it has been raining for days and days. No, not even ten umbrellas can help in this kind of weather, which are offered by the overly attentive Pakistani street vendors, that will stick a bunch of undefineable but excessively coloured waterproof stuff in your face when the tiniest raindrops haven't even touched the ground.

Aber bald werden diese tristen Bilder in neuem Licht erscheinen. In vielen bunten kleinen Lichtern vielmehr, in einem Lichtermeer, das eine Vorahnung auf mein römisches Weihnachten sein wird. Doch bevor ich mich von dem hypnotischen Hinternwackeln des pausbäckigen Weihnachtsmannes im Schaufenster nebenan in unbegründete Hochstimmung versetzen lasse, möchte ich noch einen Blick auf die dunklen Seiten dieser Stadt werfen. Die düsteren Ecken, die morbiden Sammlungen, die gespenstischen Reliquien, die ein makabereres Vergnügen versprechen als es einer ganzen Armee von Plüschrentieren möglich wäre, deren rote Nasen im Takt von Wham!s "Last Christmas" blinken.

But soon all these dreary images will appear in a new light. In many colourful tiny lights, more exactly, in an ocean of lights, that will be an anticipation of my Roman christmas. But before I let myself get into any unreasonably high spirits by the hypnotic backside-wiggling of a chubby Santa Clause in the shopwindow next door, I want to have a look at the darker parts of this city. The dusky corners, the morbid collections, the spooky relics, that promise a more macabre pleasure than a whole army of stuffed reindeers whose red noses flashed to the beat of Wham's "Last Christmas" ever could.

Unterhalb der Kirche Santa Maria della Concezione dei Cappuccini befindet sich eine der wohl außergewöhnlichsten Krypten überhaupt. Hier finde ich mehrere kleine Kapellen, die virtuos verziert wurden mit den menschlichen Überresten von mehreren tausend Kapuzinermönchen, die einen durch die dunklen Augenhöhlen der Schädelornamente anstarren. Armknochen bilden Rahmen, Hüftknochen wurden zu floralen Mustern zusammengesetzt, tausende Wirbelknochen überziehen Wände und Decken in verschnörkelten Formen. Während ich mir auf dem Weg zur nächsten schaurigen Kapelle fast den Kopf an einem abartigen Kronleuchter stoße, fällt mir eine Beschreibung Nathaniel Hawthornes ein, auf den dieser Ort einen ähnlichen Eindruck gemacht haben muss:

Underneath the church Santa Maria della Concezione dei Cappuccini lies one of the most extraordinary crypts ever. Here I find several small chapels, that are virtuosly decorated with the human remains of several thousand Capuchin Monks, that stare at me through their dark eye sockets. Arm bones are frames, hip bones were put together into floral patterns, thousands of vertebras cover walls and ceilings in ornate shapes. As I almost hit my head on an abnormal chandelier on my way to the next chapel, I remember a description by Nathaniel Hawthorne, on whom this place had made a comparable impression:

"Jene Skelette, die mit Kutte und Kapuze versehen sind, scheinen eine eher heitere Auffassung ihrer Situation zu haben und versuchen diese mit ihrem grässlichen Grinsen zu verspotten. Es ist weder möglich zu beschreiben, welche ekelhafte und groteske Wirkung dieser Ort besitzt, noch wieviel pervertierte Genialität auf diese eigenartige Weise zur Schau gestellt wird. Eine ungeheure Anzahl verstorbener Mönche aus mehreren hundert Jahren hat mit ihren Gerippen dazu beigetragen, diese großartigen Gewölbe der Sterblichkeit zu errichten. Hier, wo die Altäre der abscheulich weihevollen Kapellen aus Haufen von menschlichen Überresten bestehen, können wir uns nicht unsterblich fühlen." (frei übersetzt aus: The Marble Faun)

"As a general thing, these frocked and hooded skeletons seem to take a more cheerful view of their position, and try with ghastly smiles to turn it into a jest. [...] There is no possibility of describing how ugly and grotesque is the effect, combined with a certain artistic merit, nor how much perverted ingenuity has been shown in this queer way, nor what a multitude of dead monks, through how many hundred years, must have contributed their bony framework to build up these great arches of mortality. [...] Not here can we feel ourselves immortal, where the very altars in these chapels of horrible consecration are heaps of human bones." (excerpts: The Marble Faun)

So teilt mir auch eine Tafel im hintersten Teil dieses Ortes unmissverständlich mit: "Quello che voi siete eravamo; quello che noi siamo voi sarete." ("Was ihr seid, sind wir gewesen; was wir sind, werdet ihr sein.")

And also a plate in the rearmost part of this place is letting me know without ambiguity: "Quello che voi siete eravamo; quello che noi siamo voi sarete." ("What you are, we have been; what we are, you will be.")

Zurück auf den kühlen und geschäftigen Straßen Roms werfe ich mir aufs Neue meinen Schal um und nehme mir vor, die bunteste Lichterkette zu kaufen, die ich finden kann.

Back on the chilly and busy streets of Rome I wrap my winter scarf around me once more and decide to buy the most colourful fairy lights I can find.

Mittwoch, 5. November 2008

Auf den Spuren von... - In the pursuit of...

Hier saß Goethe also wackelnd auf seinem Stuhl, während er tief in die Lektüre versunken war. Die Räume, in denen er während seiner Italienreise zusammen mit seinem Freund Tischbein und anderen Künstlern lebte, sind heute in ein kleines aber sympathisches Museum umfunktioniert worden. Sympathisch deswegen, weil es nicht durch zeitgenössische Möbel und Nachstellungen von Goethes Arbeitsplatz versucht ein konstruiertes Bild als historische Wirklichkeit darzustellen. Ich blicke aus dem Fenster auf die sehr belebte Via del Corso und suche die Inspiration einzufangen, die Goethe an diesem Ort verspürt haben muss. Die anderen Räume zeigen mir alte Ausgabeverzeichnisse und handschriftlich verfasste Briefe von Goethe, die ich mit leuchtenden Augen versuche zu entziffern. Ich muss mich aber zufrieden geben die Faksimiles unverstanden zu bewundern.

So this is where Goethe wobbled on his chair while being immersed in lecture. The rooms, in which he, his friend Tischbein and other German artists lived during their stay in Rome, have been turned into a small but nice museum. And it is especially nice because it does not try to sell a constructed image of his former place of work with contemporary furniture as historical reality. I look out of the window and try and catch a glimpse of the inspiration, that Goethe had felt at this place. The other rooms present old registers of his expenses and handwritten letters that I try to decipher with shining eyes. But I have to settle for admiring the facsimiles without understanding them.

Endlich habe ich die enge Seitengasse in der Nähe der Piazza di Spagna gefunden. Respektvoll betrete ich die alten Pflastersteine und schaue mich auf diesem alten Schauplatz um. Einige edle Hotels, Kunstateliers, Juweliere und Designerläden haben sich in diesem Heiligtum der Hepburn-Verehrung niedergelassen. Holly Golightly hätte diese Auswahl gefallen. Ein paar Schritte weiter schaue ich auf einen kleinen Innenhof, der von Efeuranken umwachsen ist. War es hier? "I've never been alone with a man before, even with my dress on. With my dress off, it's most unusual..." Die mürrischen Blicke der Anwohner stören mich in meiner stummen Verehrung und zwingen mich, meinen Weg im Rom des 21. Jahrhunderts fortzusetzen.

Finally I found the narrow side street in the vicinity of the Piazza di Spagna. Respectfully I step on the old cobblestone pavement and take a look around on this old scene. Some noble hotels, art studios, jewelers and boutiques have settled in this sanctuary of Hepburn-admiration. Holly Golightly would have liked this selection. A few steps ahead I can look into a small inner courtyard that is overgrown with ivy. Was it here? "I've never been alone with a man before, even with my dress on. With my dress off, it's most unusual..." The grumpy looks of the neighbors disturb me in my silent worship and force me to continue my way in the Rome of the 21st century.