Dienstag, 28. Oktober 2008

La notte romana

Es wird Zeit ein wenig über das römische Nachtleben zu berichten. Da ich das Glück hatte, in meinen ersten Tagen in Rom eine unglaublich sympathische, liebe und herzliche Italienerin kennenzulernen, konnte ich mich sehr früh vertraut machen mit den angesagtesten Vierteln in Rom.

It is time to cover the Roman nightlife. As I was lucky to have met an incredibly sweet and warmhearted Italian girl during the first days of my stay here, I was soon able to get acquainted with the hottest neighborhoods of Rome.

Zuallererst zu nennen wäre hier - wie ihr links sehen könnt - San Lorenzo. Dieses Stadtviertel ist benannt nach der Kirche San Lorenzo fuori le Mura (außerhalb der Stadtmauern), welche eine der sieben Pilgerkirchen der Stadt ist. Sie ist dem heiligen Laurentius geweiht, der seinen Tod besonders gewaltsam, nämlich auf einem glühenden Rost fand. Fast jeden Abend erinnern Menschenmassen und aufsteigende Rauchschwaden an sein Märtyrium. Wenn auch eher unfreiwillig. Scharenweise pilgern junge Menschen hierher, um sich auf den Stufen vor dem Eingangsportal der Kirche niederzulassen und sich hier seelenruhig und ohne viel Diskretion einen Joint zu drehen. Nebenan unter einem Zelt kann man sich im Tischtennis oder Tischfußball mit diversen Römern messen, während man sich ein Peroni-Bier gönnt, das man sich in der Bar um die Ecke besorgt hat. Wenn man im Rausch dann den plötzlichen Drang verspürt, sein Wissen zu erweitern: Kein Problem, denn ein paar Bücherstände laden zum bequemen Konsum ein.

First of all there is San Lorenzo. This quarter of the city is named after the church San Lorenzo fuori le Mura (outside the city walls), which is one of the seven pilgrim churches of Rome. It is dedicated to Saint Lawrence, who met his death in one of the most violent ways, namely on a broiling grill. Almost every night crowds will gather to let wads of smoke remember his martyrdom. Albeit involuntarily. In shoals young people make a pilgrimage to the steps in front of the church to make themselves comfortable cross-legged on the pavement and roll a joint in all conscience. Not far from here in a tent one can compete with the Romans in table tennis or foosball, while enjoying a bottle of Peroni, that can be purchased in the corner bar. And if one feels the sudden urge to broaden their knowledge: Not a problem, as some bookstands are available for comfortable purchase.

Das Rialto hingegen ist ein Club, der sich in einer alten Schule niedergelassen haben muss. Denn nachdem man sich in der Schlange vor dem Eingang in Geduld geübt hat - während man in einer Seitengasse den Ausblick auf die baufällige Fassade des Etablissements genießt - wird man in Richtung Innenhof verwiesen, der offensichtlich der nun überwucherte Pausenhof dieser ehemaligen Schule ist, woran noch die beiden aufgehängten Basketballkörbe erinnern. In den umgebauten Klassenräumen im Obergeschoss findet man dann alles, was zu einem anständigen Club dazugehört. Selbst wenn einem die Musik dort nicht gefallen sollte, ist allein der außergewöhnliche Schauplatz und die entspannte Atmosphäre auf dem nächtlichen Pausenhof das Eintrittsgeld wert.

The Rialto on the other hand, is a club, that seems to have taken residence in an old school. Because after one has proven their patience in the queue of getting inside - while enjoying the view of the ruinous front of the location - one is being referred to an inner courtyard, which is obviously the former schoolyard, what is reminded by two rusty basketball hoops. In the redesigned class rooms on the upper floor one can find everything to complete a proper club. Even if one does not like the electronic music in the dancing areas, the extraordinary scene and atmosphere on the nightly playground is worth the entrance fee.

Freitag, 24. Oktober 2008

Striscia la Notizia!

Was hat dieses alberne rote Plüschding gemeinsam mit zwei umwerfend schönen und leicht bekleideten jungen Frauen? Die Italiener finden: genug, um zusammen in einer Fernsehsendung aufzutreten, die es sich zum Ziel gemacht hat, Skandale aller Art aufzudecken und diese einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
"Striscia la notizia" (wörtlich übersetzt bedeutet das soviel wie: "ein Comicstreifen der Nachrichten") muss man sich so vorstellen: Zwei alternde aufgedrehte Moderatoren leiten einen durch die Sendung, die aus mehreren Clips besteht, in denen ein Journalist überall in Italien die Skandalträger zur Rede stellt. Für die Überbrückung der lästigen Pausen zwischen diesen Clips stehen die sogenannten "Veline"("Showgirls") zur Verfügung . Die Hauptbeschäftigung dieser beiden Damen besteht darin, wenn plötzlich und ziemlich unmotiviert Musik gespielt wird, aufzuspringen und sofort erotischst alles zu schwingen und zu schütteln, was sie zu bieten haben. Und weil uns das natürlich noch nicht zur völligen Belustigung ausreicht, tritt dann noch "Gabibbo" hinzu, der lustige rote Bruder von Barney, der sich nun zu den praktisch in Unterwäsche tanzenden Showgirls gesellt.

What does this ridiculous red thing have in common with two gorgeous and scantily dressed women? Italians think: Enough to appear together in a TV show that aims to publish scandals of all sorts taking place throughout Italy.
"Striscia la notizia" (literally translated "a comicstrip of news") has to be pictured like this: Two elderly and goofy hosts are presenting various clips of a reporter who confronts creaters of scandal right at the scene of the crime. To bridge the undesirable pauses in between there are the so called "Veline" ("Showgirls") available. The chief activity of these two ladies consists of jumping to their feet whenever music starts to play and then shaking and wiggling everything that is available for this purpose. And as if all this does not suffice to complete merriment, another dancer "Gabibbo" - Barney's funny red brother - will then step on the dancefloor and join the two half-naked dancing showgirls.

Freitag, 17. Oktober 2008

SPQR - sono pazzi questi romani

Heute erlebe ich meinen ersten regnerischen Tag in Rom. Das macht allerdings gerade sowieso nicht viel aus, da alle öffentlichen Verkehrsmittel wegen Streik stillstehen und ich erst am späten Nachmittag damit rechnen kann, wieder in einen anderen Teil der Stadt zu gelangen.

Today I witness my first rainy day in Rome. But that makes no difference anyway as public transportation is on strike and I can therefore not expect to be able to get to another part of the city until late afternoon.

Ich könnte allerdings auch meinen Mitbewohner Giacomo fragen, ob er mit mir nicht einen kleinen "Giro" auf seinem Roller machen möchte. Giacomo stammt ursprünglich aus Ägypten, lebt aber schon über 10 Jahre in Rom. Er studiert hier Ingenieurswissenschaften und träumt davon, irgendwann auf seiner eigenen Dukati durch die Innenstadt zu preschen. Bis dahin muss ich mich also mit seinem Scooter begnügen, mit dem wir allerdings auch schon schnell genug werden; wenn wir nicht gerade versuchen uns zwischen wartenden Autos, Bussen und LKWs hindurchzuschlängeln. Aber mal ganz abgesehen von dem Heidenspaß, den man beim Rollerfahren in Rom hat, kann man damit auch an wunderschöne Orte gelangen. Wie zum Beispiel nach Frascati, einen kleinen Ort auf einer Anhöhe, von dem aus man einen einmaligen Blick auf Rom hat.

Though I could also ask my roommate Giacomo if he is up to go for a spin on his scooter. Giacomo is originally from Egypt, but has been living in this city for more than ten years now. He studies engineering and dreams of dashing through downtown Rome on his very own Dukati one day. Until then I will have to be content with his scooter, with which we anyway can get fast enough; that is, if we are actually not trying to weave our way through waiting cars, busses and trucks. But apart from the huge fun going by scooter contains, one can also get to some beautiful places a little outside of Rome. Like for instance Frascati, a small village on a hill, from which one can have a stunning view of the eternal city.


Es regnet aber leider immernoch, deswegen plaudere ich vielleicht einfach ein wenig mit Nadia, meiner anderen Mitbewohnerin. Sie studiert Film- und Theaterwissenschaften und hat einen leicht merkwürdigen Gothic-Touch. Dieser drückt sich aber weniger durch ihre blauschwarz-gefärbten Haare aus, sondern viel mehr in ihrem unheimlichen Musikgeschmack. Am Tag meines Einzugs in diese WG spazierten wir durch die Nachbarschaft, während sie mir die besten Einkaufsmöglichkeiten zeigte und nebenbei erwähnte, dass ihre Lieblingsband Tokio Hotel sei. Ähem. Ja. Bei dieser Bemerkung konnte ich natürlich nicht meinen überschäumenden Enthusiasmus verbergen und aus Mangel an entsprechendem italienischen Wortschatz schlug ich beide Hände vors Gesicht während ich bedauernd den Kopf schüttelte. Wir nahmen uns diese Meinungsverschiedenheit aber nicht übel und nehmen sie seitdem als Mittel zur gegenseitigen Aufmunterung.

But unfortunately the rain still hasn't stopped yet, so maybe I will just have a chat with Nadia my other roommate. She studies science of film and dramatics and has a charming touch of gothic. But primarily this touch does not express itself through her black dyed hair, but rather through her disturbing taste in music. The day I moved in we took a walk through the neighborhood where she showed me some good shopping facilities and mentioned as a sideline that her favorite band is Tokio Hotel. Well. Okay then. This remark being made I couldn't help but revealing my exuberant enthusiasm and out of lack in appropriate Italian vocabulary I just shook my head in the most troubled way imaginable. We didn't take any offence in this difference in opinion and since then use it as a way of mutual amusement.

Montag, 13. Oktober 2008

Lido di Ostia

Ich konnte einfach nicht widerstehen und fuhr am Freitag mit Trenino, Metro und Bus nach Ostia. Endlich wieder Meer sehen! Ich setzte meine neue Sonnenbrille auf - die ich auf einem römischen Markt erfolgreich auf den halben Preis herunterhandeln konnte - krempelte die Hosenbeine hoch und spazierte am fast menschenleeren Strand entlang bis ich diesen fantastischen Sonnenuntergang bewundern konnte. Veramente bellissimo!





I simply couldn't resist and somehow found a way by trenino, metro and bus to get to Ostia. After two long years finally seeing the ocean again! So I put on my sunglasses - which I successfully negotiated down to half of the original pricing - , rolled up my trouser legs and took a long walk along the almost deserted beach until I was able to enjoy this beautiful sunset. Veramente bellissimo!


Dienstag, 7. Oktober 2008

Casa mia

Gestern bin ich also in meinem eigenen kleinen Reich angekommen und habe erstmal ausgiebig mit viel zu heißem Wasser geduscht und zwölf Stunden in einem Zimmer ganz für mich alleine geschlafen. Das war besonders wichtig, da ich die Nacht davor kaum Schlaf fand. Im Bett unter mir lag nämlich ein recht unheimlicher Zeitgenosse aus Indien. Ich durfte schon tagsüber seine Bekanntschaft machen; bei dieser Gelegenheit fragte er mich aus: Wieviele Brüder und Schwestern hast du? Was machen deine Eltern? Was sind deine Interessen? Was willst du mit deinem Leben machen? An sich sind dies keine ungewöhnlichen Fragen; beängstigend wurde das Gespräch erst als Vipul dann mit starrem Blick ins Leere glotzte und mir meine Zukunft vorhersagte. Auch wenn die Prophezeiung selbst zu banal zum weitererzählen ist, hielt ich es dann doch für vernünftiger, nicht auf seine Einladung zu einem abendlichen Kaffee einzugehen. Nachts jedoch konnte ich natürlich nicht umhin zu bemerken, dass er sich ständig hin- und herwälzte, bevor er mitten in der Nacht aufstand, um irgendetwas unsagbar Unheimliches zu tun. Vielleicht versuchte er weitere Zukunftsprognosen aus meiner Unterwäsche zu lesen, die ich unter seinem Bett verstauen musste.

Yesterday I arrived at my brandnew home, where I firstly took a much too hot but proper shower and then slept twelve hours straight in a room completely for myself. The last was especially important to me as I did not get enough sleep on my last night at the hostel. Because in the bunkbed underneath me a weird person from India had set up his bed. In the afternoon I already had the pleasure of making his acquaintance and on this occasion he interrogated me: How many brothers and sisters do you have? What do your parents do for a living? What are your plans for the future? These questions were not odd per se but the situation became a lot scarier when Vipul began gazing into space while predicting my personal future. And although the prophecy itself was to trivial to retell, I thought it reasonable to not accept his invitation to a nightly coffee. At night, when everybody in the dormitory was already fast asleep, I couldn't help but notice Vipul tossing and turning in the bed under mine before he got up and turned on the lights to do something unspeakably creepy. Maybe he tried read other predictions of my future out of my underwear in my suitcases which I had to stow under his bed.

Sonntag, 5. Oktober 2008

First impressions

Endlich konnte ich heute mit ruhigem Gewissen Rom erkunden, denn ich habe tatsächlich ein passendes Zimmer für meine bescheidenen Bedürfnisse gefunden. Das heißt, ich werde mir ab morgen mit Nadia und Giacomo eine Wohnung teilen, zwei Italienern, die mir hoffentlich zu einem authentischen römischen Akzent verhelfen werden.

Finally I was able to take my first sightseeing tour through Rome, as I have now found an adequate room for my humble needs. In other words, from now on I will share a flat with Nadia and Giacomo, two italians, who will hopefully support me to develop an authentic roman accent.


Aber zurück zu meinem ersten kleinen Giro durch Rom:

But for now back to my first tour through Rome:

Ich war im Park der Villa Borghese...

I have been to the gardens of the Villa Borghese...




















... auf der Piazza del Popolo...

... on the Piazza del Popolo...




... und auf besonderen Wunsch bin ich auch an der Piazza di Spagna vorbeigekommen.

... and at special request I also came by the Piazza die Spagna.

Mittwoch, 1. Oktober 2008

Endlich in Rom! - Rome... Finally!

Rom - die ewige Stadt - ist voll von neuen, interessanten und skurrilen Menschen.
Da treffe ich zum Beispiel als erstes einen jungen amerikanischen Koch, der eigentlich nur in Italien Urlaub machen wollte, dann aber kurzerhand einfach hier blieb, um nach einer ausführlichen Selbstfindungsreise und einer symbiotischen Begegnung mit einem Kuckuck in den italienischen Wäldern nun versucht in Rom Fuß zu fassen. Oder ich lasse mich von einem italienischen Kellner auf einen Kaffee einladen, der den zum schicken Motorrad passenden Helm vorsorglich in der Privatsphäre des WC im Eckcafé auszieht, um so sein unvermeidliches "helmet hair" in Form zu bringen, bevor er mich dann mit übertriebenen Komplimenten bei meinem ersten italienischen Espresso bombardiert, wobei er während des gesamten recht einseitigen Gespräches hinter dunklen Brillengläsern versteckt bleibt. Oder ich begegne einem Haufen deutschen Studenten, die sich darüber beschweren, nach zwei Wochen in Rom noch kaum einen Satz Italienisch gesprochen zu haben, während sie gemeinsam Pläne für die nächste Erasmus-Party machen, wo wiederum über die deutsche Heimat geplaudert wird.

Rome - the eternal city - is full of new, interesting and bizarre people.
To begin with, I met a young american cook, who actually came to Italy for vacation, and now, after travelling for months through the italian woods for self-discovery and a symbiotic encounter with a coocoo, is trying to make a living in Rome. Furthermore I accepted an invitation for
a cup of coffee with an italian waiter, who arrived with a fancy motorcycle and right away had to hurry to the privacy of the cafe'e restrooms, where he took care of the unavoidable helmet hair, before starting a very onesided conversation, during which he hid himself behind some slightly too big sunglasses. Or I ran into a bunch of german students, who complained about not having spoken two proper italian sentences after being in Rome for two weeks and then made plans for the next Erasmus party, where again the chitchat will be about all details of the german home.

Zwischendurch vertreibe ich mir die Zeit mit der Zimmersuche, die mich zunehmend nervöser macht, während mir die italienische Männerschaft nur immer wieder ein „tranquilla, tranquilla“ anzubieten hat. Nagut, dann bleibe ich eben vorerst eben im M&J’s Hostel, das neben penetrant schnarchenden Zimmergenossen auch noch an heißem Wasser zu sparen scheint und mich zu der ersten eiskalten Dusche meines Lebens gezwungen hat, die mir im wahrsten Sinne des Wortes den Atem genommen hat. Jedenfalls blieb mir so für ein paar wenige wertvolle Sekunden der beständige Uringeruch der Etagenwaschräume erspart. Jedoch ist das Personal so sympathisch und zuvorkommend, dass man gerne solche banalen Bedürfnisse hintanstellt.

In the meantime I enjoy the room hunting, which makes me more and more nervous while all of the male population of Rome keep asking me to stay "tranquilla, tranquilla". Well, for the time being I will just stay at M&J's Hostel, that not only seems to allocate the most obstrusive snorers to my dorm room, but also is saving on hot water and thus forced me to take the first cold shower of my life, which literally took my breath away. At least this way I was being spared of the constant smell of urine for a few seconds. However, the hostel staff is so nice and attentive that it makes me neglect such trivial needs for the moment.

Aber dieses Hostel hat noch anderes zu bieten. Beispielsweise stößt man dort auch des öfteren auf Italiener, die offenbar nicht genug vom typisch italienischen Gruß- und Abschiedsritual bekommen und die es für unabdingbar halten, mich in diese kulturellen Feinheiten ausführlichst einzuweihen. Leider konnte ich in meinem Wörterbuch bis jetzt noch nicht die exakte Übersetzung von "Wenn du mir noch einmal zu nahe kommst, werde ich dir zu einer Karriere als Countertenor verhelfen!" finden.

But there are also other people to encounter in this hostel. Once in a while I run into italians who obviously cannot get enough of the typical italian ritual of greeting and farewell and seem to consider it necessary to make me familiar with these cultural particularities in explicit detail. Unfortunately in my dictionary I have not yet found the exact translation of "If you come close to me once momre, I will help establishing your career as a countertenor!".