Mittwoch, 28. Januar 2009

Nur Geduld..... argh!

Geduld ist eine Tugend. Und zwar eine Tugend, die für das Überleben in Rom von essentieller Wichtigkeit ist.

Patience is a virtue. In fact it is a virtue of paramount importance for surviving in a city like Rome.

Wenn man wie ich darauf angewiesen ist, täglich die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, kann man nicht umhin ein wenig Heimweh zu bekommen. Im Stadtgebiet von Rom gibt es ein dichtes Verkehrsnetz und vier unterschiedliche Verkehrsmittel, die ich auch alle brav und häufig und meist sogar mit gültiger Fahrkarte benutze. Aber ob ich nun im Bus stehe, der viel zu schnell über das allgegenwärtige Kopfsteinpflaster rappelt oder ich in einer der beiden Metro-Linien Platz nehme, um von immer wieder denselben drolligen Cartoons auf die vielen Taschendiebe hingewiesen zu werden; immer verlangen diese Fortbewegungsmittel ein ungeheures Maß an Geduld. Natürlich, theoretisch sind die Busse nie zu spät. Es gibt nämlich schlicht und einfach keinen Fahrplan. Nur die erste und letzte Abfahrt des Tages ist auf den kleingedruckten Bushaltestellenschildern zu lesen. Wenn man dann aber tatsächlich das Glück hat, sich nach kurzer Wartezeit in den richtigen Bus setzen zu dürfen, steigt plötzlich der Busfahrer aus und nimmt eine kreative Pause. Mit einer Zigarette in der Hand bespricht er sich dann heftig gestikulierend mit seinen Kollegen, bevor er dann irgendwann seine Fahrkabine wieder betritt und das nun schon lauschig vollgestopfte Gefährt endlich in Bewegung setzt. Erleichtert atmet man also auf und freut sich schon nach einem anstrengenden Tag mit diversen Besichtigungen endlich die Füße auf der heimischen Couch hochzulegen und findet sich aber nach wenigen Minuten auf einer völlig überfüllten Kreuzung mitten in der Rush Hour wieder. Während ein Huporchester erdröhnt und sich Roller und Kleinwagen an Ampeln und größeren Vehikeln vorbeischleichen und die störenden Verkehrsregeln einfach mal gut sein lassen, kommt man als Insasse eines Busses nur zentimeterweise voran. Wer hier links abbiegen will, sollte eine ausdauernde Blase und einen großen Schimpfwortschatz bereithalten.




If one is like myself dependent on using Roman public transportation almost everyday, it is only natural to becoming somewhat homesick. In the urban region of Rome there is a dense public transport network with four different means of transportation, that I use often and most of those times even with a valid ticket. But whether I'm standing in a bus, that rattles over the cobblestone streets much too fast or whether I take a seat in one of the two subway lines to be cautioned against pickpockets by always the same dull cartoons; these means of transportation always demand a lot of patience. Of course, theoretically the busses are never late. That is because there simply are no timetables. Just the first and last departure of the day are being announced on the small printed busstop-signs. If one has for once the luck to get onto the right bus after just a short wait, the busdriver will suddenly get off to take a creative pause. With a cigarette between the fingers he debates with his colleagues while gesticulating intensely, before he finally takes his seat in the driver cabin and starts the now cozily packed vehicle. One sighs with relief and looks forward to putting one's feet up on the homey couch just to find oneself in the middle of a crowded crossroads during rush hour after few minutes. While an orchestra of honks roars and scooters and compact cars sneak pass the bigger vehicles and traffic lights, as a passenger in a bus one is moving forward only by the centimeter. Whoever wants to make a left turn on this crossroads should be the owner of a big bladder and an even larger vocabulary of cuss words.

Aber auch wenn man sich auf die Fähigkeiten des eigenen Laufvermögens verlässt, kann man in die Verlegenheit kommen, seine eigenen Geduldsgrenzen kennenzulernen. Möchte man beispielsweise eine einfache Auskunft an der Universität bekommen, stellt man sich an einer langen Schlange an, die vor einem Schalter mit der Aufschrift "Info" steht, nur um dann nach halbstündiger Wartezeit von der zuständigen Dame mit dem Hinweis auf ein anderes Büro vertröstet zu werden. Hat man jenen Raum dann endlich gefunden, wird man schlicht auf eine ganz andere Abteilung verwiesen, die sich unlogischerweise in einem anderen Gebäude des Campus befindet. Und wenn man dann sogar hier nicht mit den richtigen Informationen versorgt wird, möchte man nur noch rufen: "Verdammt und zugenäht, wo bekomme ich denn nun diesen verflixten Passierschein A38?!

But even if one relies on one's own running abilities, one can get into the inconvenience of getting to know the limits of one's own patience. If you are in need of a simple information at the university for intance, you can get into an already long line for a desk with the sign "info" on top of it, just to be referred to another office after a half hours wait. When you were then able to find the room in question, you will probably be referred to yet another department which illogically is situated in a whole other building on the campus. And if you even there won't get provided with the right information, you just want to scream out: "Damnation, where the hell do I get this darned permit A38?!"

Mittwoch, 14. Januar 2009

Alltag in Rom - Everyday life in Rome

Gerade sind Semesterferien, was bedeutet, dass ich frei über meine römische Zeit verfügen kann. Gestern kam mir deswegen in den Sinn, dass ich mal wieder einen ausgedehnten Spaziergang durch die historische Innenstadt machen sollte.
Ich stehe also gut gelaunt am späten Vormittag auf und versorge mich schnell mit einem Frühstück, das für meine Mitbewohner jedes Mal wieder befremdlich wirkt. Es scheint absurd zu sein, erst ein Spiegelei zu essen, dann Toast mit Wurstaufschnitt und zuletzt dann Toast mit Marmelade. "Wurst und Marmelade, wie unappetitlich!" Auch wenn ich nach diesen Kommentaren jedesmal darauf hinweise, dass ich Wurst und Marmelade ja nicht auf einem einzigen Toast esse, sondern zwei gesonderte Scheiben dafür verwende, bleiben die verblüfften Blicke.

At the moment it is semester break for me, which means, that I have time to spare for taking a long and relaxing stroll through the historic center, for instance. That is what yesterday crossed my mind.
So I wake up before noon, in good spirits, and treat myself to a nice breakfast, which still seems strange and outlandish to my two roommates. It appears to be bizarre to first eat a fried egg, then toast with cold meat and afterwards toast with jam. "Jam and salami, how gross!" Even if I explain to them everytime, that I do not eat jam and meat on a single toast but on two seperate ones, I cannot get the bewildered looks off their faces.

Auf dem Weg zur Bushaltestelle drehe ich mich dann wie so oft nach dem Geräusch eines schmalen Wasserstrahls, der auf den Asphalt trifft, um und stelle wieder erleichtert fest, dass gerade nicht jemand am helllichten Tag seine Notdurft an einer Straßenecke verrichtet, sondern dass wie gewohnt der Nasone sein Wasser spendet. Diese kleinen Trinkwasserbrunnen sind in ganz Rom zu finden und versorgen die Stadt rund um die Uhr mit qualitativ hochwertigem Wasser. Besonders in den heißen Sommermonaten sind die Nasoni ("große Nasen") mit ihrem erfrischend kühlen Nass ein willkommenes Geschenk der Stadt.

On my way to the busstop I turn around to the sound of a small jet of water which hits the curb and I am as always relieved to not find a guy doing his business in the middle of the day in the middle of the street but just the Nasone that gives off water. These little drinking water fountains can be found all over Rome and provide water of high quality for the city. Especially in the hot summer months the Nasoni ("big noses") with their cool and refreshing offering are a welcome bounty.

Am Hauptbahnhof Termini angekommen mache ich mich auf den Weg über die Piazza della Repubblica die Via Nazionale entlang. Ich mache Halt an den vielen Souvenirläden und überlege, ob ich wieder ein paar Postkarten verschicken sollte. Als ich zahlen möchte, spricht mich die Verkäuferin erst auf Englisch an und antwortet dann auf meine italienischen Grußworte und meine Frage nach passenden Briefmarken mit einem gut gelaunten "Ach, Sie sind ja Italienerin!" Nachdem ich diese Bestätigung einige Sekunden genüsslich auskoste, gebe ich aber zu, dass ich nicht aus Italien komme. "Sie sprechen aber wirklich gut Italienisch!"
Fröhlich trete ich dann wieder auf die Straße. Es hat angefangen zu nieseln. Aber meine Schritte, die mich Richtung Piazza Navona lenken, sind trotzdem beschwingter als vorher.

Having finally arrived at the main station Termini I follow my way over the Piazza della Repubblica along the Via Nazionale. I stop at the many souvenir shops and consider sending out some postcards. The cashier greets me in English but as I start asking her about some stamps for the cards in Italian she exclaims in the same language: "Oh, you're Italian!" After savoring this moment I admit that I am unfortunately not Italian. "But your Italian is very good!"
Cheerfully I step back on the street. It has begun to drizzle. But my steps, that lead me to the Piazza Navona, are anyhow a little easier.

Montag, 5. Januar 2009

My tiny steps through the eternal city

Tatsächlich. Schon habe ich die Hälfte meiner italienischen Zeit absolviert und nur noch drei weitere kurze Monate in dieser wunderschönen Stadt liegen vor mir. Der Jahreswechsel, der genau in dieser Mitte lag, machte mir diese Tatsache nur umso bewusster und verursachte in mir gemischte Gefühle. "Wir stoßen an auf dein erstes italienisches Silvester von den vielen Silvestern, die du in Italien verbringen wirst!" So begrüßte mich meine Freundin Francesca im neuen Jahr, was mir schlicht das Herz erwärmte. Ich könne unmöglich im März wieder nach Deutschland zurück gehen, stellt sie immer wieder fest, denn wenn ich Rom nicht im Frühling und im Sommer gesehen hätte, hätte ich die ewige Stadt nur halb gesehen! Was für ein Gedanke. Einfach hier bleiben und Italien zu meiner neuen Heimat werden lassen. Nein, Rom und die lieben Menschen, die ich hier getroffen habe, werden mir den unvermeidlichen (zumindest vorläufigen) Abschied nicht leicht machen. Es ist wunderbar hier.

It's a fact. Half of my time in Rome has passed and only three more short months in this wonderful city lie ahead of me. The turn of the year, which coincided with this point of my stay in Rome, made me only more aware of this fact as I already have been, and has stirred up mixed feelings in me. "Let us drink to you first New Year's Eve of the many you will spend in Italy!" This is how my friend Francesca welcomed me in 2009, what simply rejoiced my heart. "You just cannot go back to Germany after march", is what she often declares, "because if you haven't seen Rome in spring and summer, you haven't seen Rome at all!" What a thought. Simply stay here and make Italy my new home. Indeed, the eternal city and the lovely people I met here won't let me go easily.

Es gibt in der Tat nur einen Grund, eine italienische Besonderheit, die mich oft mit Wehmut an die deutsche Heimat denken lässt und die ich eigentlich in diesen Berichten außen vor lassen wollte. Doch die Häufung der Ereignisse macht es mir einfach unmöglich diese Wirklichkeit, die ich täglich erlebe, unbeachtet zu lassen. Die Kehrseite am Leben in Italien wird nämlich zum Großteil von der italienischen Männerwelt verursacht. Nein, hier gibt es leider in erster Linie nicht schöne, charmante und gutgekleidete Gentlemen, sondern vielmehr kleine, aufdringliche und schlechtfrisierte Machos, die anscheinend der simpelsten zwischengeschlechtlichen Kommunikation unfähig sind. Wir kennen ja alle den Vorwand der Männer für deren Unverständlichkeit des weiblichen Geschlechtes, ein "nein" aus unserem Mund bedeute eigentlich "ja" und umgekehrt. Italiener nehmen sich dieses Prinzip nun also mehr als folgsam zu Herzen und verstehen nicht nur ein einfaches "nein" als "ja", sondern auch ein "Nein, ich habe einen Freund, dem ich niemals fremdgehen würde" oder ein "Nein, ich treffe mich nicht mit verheirateten Männern" oder auch ein "Ich habe jetzt schon mehrere Male gesagt, dass ich es nicht leiden kann, wenn du mich dauernd unaufgefordert anfasst, verstanden?! Nein!". Es ist genauso frustrierend wie es für die umstehenden Zuschauer immer wieder amüsant ist. Ich will damit keinesfalls bestreiten, dass nicht auch sympathische Italiener männlichen Geschlechtes hier zu finden sind, aber leider trifft man häufig genug eben auf die andere Art Mann, die einem die Extreme der eigenen Frustration und Wut offenbaren können.



Truth be told, there is only one reason, one italian particularity, that makes me often think with wistfulness about my home country. In fact, I wanted to skip this topic in these my statements, but as the events accumulate I cannot ignore this part of my everyday life anymore and have to make it heard by all of the deluded female population out there. The downside of life in Italy is first and foremost represented by italian men. No, unfortunately there are no gorgeous, charming and well-dressed gentlemen everywhere, but rather short, sleazy and badly-coiffured machos, who are obviously incapable of the simplest of inter-gender communication. Yes, we all know the pretense of all mankind for their lack of understanding the opposite sex, that a "no" leaving our lips actually wants to say "yes" and vice versa. Now italians keep to this principle with heart and soul and not only take a simple "no" as a "yes" but also a "No, I have a boyfriend, on whom I would never cheat", or a "No, I don't go out with married men", or even a "I already asked you about ten times to not keep touching me for no apparent reason, got it?! No!". It is really as frustrating as it is often amusing to the nearby spectators. Though I won't argue that there aren't any likable and nice italian men to find here, I can certify through my own daily experience that in most of the cases one will encounter one of the other kind, who are capable of revealing one's own limits of frustration and rage.

Aber genug genörgelt! Italien spart schließlich nicht an gutem Essen, gutem Wein, lebhaften Gesprächen in einer schönen Sprache, prächtigem Ambiente und einer angenehmen Wintersonne, um dieses eine Manko aufzuwiegen. Mir jedenfalls fällt es nicht schwer bei all diesen Vorzügen darüber hinwegzusehen. Italien wird mir fehlen und ich werde die mir verbleibende Zeit nutzen, um noch so viel davon zu erleben wie möglich.

But enough with the complaining, already! After all, Italy offers good food, good wine, lively conversations in a beautiful language, a gorgeous ambience and a nice winter sun to compensate for this one little flaw. Considering all these merits it is not hard to overlook it. Safe to say that I will miss Italy and Rome and I will use the remaining three months to experience it in (almost) all its particulars as much as possible.