Geduld ist eine Tugend. Und zwar eine Tugend, die für das Überleben in Rom von essentieller Wichtigkeit ist.Patience is a virtue. In fact it is a virtue of paramount importance for surviving in a city like Rome.
Wenn man wie ich darauf angewiesen ist, täglich die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, kann man nicht umhin ein wenig Heimweh zu bekommen. Im Stadtgebiet von Rom gibt es ein dichtes Verkehrsnetz und vier unterschiedliche Verkehrsmittel, die ich auch alle brav und häufig und meist sogar mit gültiger Fahrkarte benutze. Aber ob ich nun im Bus stehe, der viel zu schnell über das allgegenwärtige Kopfsteinpflaster rappelt oder ich in einer der beiden Metro-Linien Platz nehme, um von immer wieder denselben drolligen Cartoons auf die vielen Taschendiebe hingewiesen zu werden; immer verlangen diese Fortbewegungsmittel ein ungeheures Maß an Geduld. Natürlich, theoretisch sind die Busse nie zu spät. Es gibt nämlich schlicht und einfach keinen Fahrplan. Nur die erste und letzte Abfahrt des Tages ist auf den kleingedruckten Bushaltestellenschildern zu lesen. Wenn man dann aber tatsächlich das Glück hat, sich nach kurzer Wartezeit in den richtigen Bus setzen zu dürfen, steigt plötzlich der Busfahrer aus und nimmt eine kreative Pause. Mit einer Zigarette in der Hand bespricht er sich dann heftig gestikulierend mit seinen Kollegen, bevor er dann irgendwann seine Fahrkabine wieder betritt und das nun schon lauschig vollgestopfte Gefährt endlich in Bewegung setzt. Erleichtert atmet man also auf und freut sich schon nach einem anstrengenden Tag mit diversen Besichtigungen endlich die Füße auf der heimischen Couch hochzulegen und findet sich aber nach wenigen Minuten auf einer völlig überfüllten Kreuzung mitten in der Rush Hour wieder. Während ein Huporchester erdröhnt und sich Roller und Kleinwagen an Ampeln und größeren Vehikeln vorbeischleichen und die störenden Verkehrsregeln einfach mal gut sein lassen, kommt man als Insasse eines Busses nur zentimeterweise voran. Wer hier links abbiegen will, sollte eine ausdauernde Blase und einen großen Schimpfwortschatz bereithalten.
If one is like myself dependent on using Roman public transportation almost everyday, it is only natural to becoming somewhat homesick. In the urban region of Rome there is a dense public transport network with four different means of transportation, that I use often and most of those times even with a valid ticket. But whether I'm standing in a bus, that rattles over the cobblestone streets much too fast or whether I take a seat in one of the two subway lines to be cautioned against pickpockets by always the same dull cartoons; these means of transportation always demand a lot of patience. Of course, theoretically the busses are never late. That is because there simply are no timetables. Just the first and last departure of the day are being announced on the small printed busstop-signs. If one has for once the luck to get onto the right bus after just a short wait, the busdriver will suddenly get off to take a creative pause. With a cigarette between the fingers he debates with his colleagues while gesticulating intensely, before he finally takes his seat in the driver cabin and starts the now cozily packed vehicle. One sighs with relief and looks forward to putting one's feet up on the homey couch just to find oneself in the middle of a crowded crossroads during rush hour after few minutes. While an orchestra of honks roars and scooters and compact cars sneak pass the bigger vehicles and traffic lights, as a passenger in a bus one is moving forward only by the centimeter. Whoever wants to make a left turn on this crossroads should be the owner of a big bladder and an even larger vocabulary of cuss words.
Aber auch wenn man sich auf die Fähigkeiten des eigenen Laufvermögens verlässt, kann man in die Verlegenheit kommen, seine eigenen
Geduldsgrenzen kennenzulernen. Möchte man beispielsweise eine einfache Auskunft an der Universität bekommen, stellt man sich an einer langen Schlange an, die vor einem Schalter mit der Aufschrift "Info" steht, nur um dann nach halbstündiger Wartezeit von der zuständigen Dame mit dem Hinweis auf ein anderes Büro vertröstet zu werden. Hat man jenen Raum dann endlich gefunden, wird man schlicht auf eine ganz andere Abteilung verwiesen, die sich unlogischerweise in einem anderen Gebäude des Campus befindet. Und wenn man dann sogar hier nicht mit den richtigen Informationen versorgt wird, möchte man nur noch rufen: "Verdammt und zugenäht, wo bekomme ich denn nun diesen verflixten Passierschein A38?!
But even if one relies on one's own running abilities, one can get into the inconvenience of getting to know the limits of one's own patience. If you are in need of a simple information at the university for intance, you can get into an already long line for a desk with the sign "info" on top of it, just to be referred to another office after a half hours wait. When you were then able to find the room in question, you will probably be referred to yet another department which illogically is situated in a whole other building on the campus. And if you even there won't get provided with the right information, you just want to scream out: "Damnation, where the hell do I get this darned permit A38?!"

